Therapieverläufe / Stimmungsschwankungen etc

 

Nachdem mein letzter Bericht wirklich nur von positiven Dingen gefüllt war, woran ich mich auch immer wieder gerne erinnere, ging es in den Folgemonaten bergauf, bergab, bergauf, bergab... 

 

Ich würde euch gerne über den aktuellen Status meiner Therapieverläufe auf dem Laufenden halten, wir befinden uns mittlerweile ca. in der Mitte des Jahres 2019, ungefähr 10 Monate nach der SAB. 

 

Ergotherapie: 

 

Ich machte kontinuierlich kleine Fortschritte bezüglich Belastbarkeit, Koordination, Bewegungsausmaß, Kraft, Tonusregulation, Grob und Feinmotorik und Ausdauer. Die rechte Körperhälfte war von der Wahrnehmung her noch nicht wieder in das Körperschema integriert, ich beschrieb oft Missempfindungen der rechten Körperhälfte sowie den Verlust des Geruchs- und Geschmacksinns. 

Dazu hatte ich starke Nervenschmerzen im Arm und ausgeprägte Parästhesien. Die rechte Schulter ist im aktiven und passiven Bewegungsausmaß ebenfalls limitiert. Ich hatte häufig Schmerzen in der linken Schulter, die distal bis zum Ellenbogen ausstrahlten und häufig nachts auftraten oder unter stärkerer Belastung. Eine Kombination aus detonisierenden Übungen, heißer Rolle, Schröpfglasmassage und Novafon führten hierbei schnell zur Symptomlinderung. Das Kurzzeitgedächtnis weist bezüglich zeitlichen Strukturen und Leistungen Schwierigkeiten auf.

Ich hatte nach wie vor sehr viel Redebedarf zur Krankheitsbewältigung und zeigte mich sehr offen im Umgang mit allen Problemstellungen. 

 

Einige Therapiestunden weiter normalisierte sich mein Körperbild jedoch immer mehr, d.h. die rechte Seite fühlte sich weniger fremd an und die Parästhesien waren rückläufig. Die Koordination und Feinmotorik wurden besser, die Kraft war allerdings noch gemindert und der Grundtonus nicht symmetrisch. Ich hatte weiterhin immer wieder starke Schmerzen im Schulter/-Nackenbereich sowie im linken Arm. Außerdem hatte ich vermehrt Krämpfe in den Beinen.

Zu meinem Redebedarf bezüglich der Krankheitsbewältigung kamen starke Stimmungsschwankungen hinzu. Überlastung und Geduld waren permanente Themen, ebenso das Spiegeln der bereits erzielten Fortschritte und Erfolge. Trotz alledem war ich weiterhin motiviert.

 

Physiotherapie:

 

Im Verlauf der Therapie wurde weiter an den bisherigen Gesichtspunkten gearbeitet. Es wurden außerdem vermehrt Gleichgewichtsübungen ohne Augenkontrolle durchgeführt. Sehr auffällig zeigte sich hierbei die Neigung zur rechten Seite beim Gang mit geschlossenen Augen. 

Die Gleichgewichtsübungen mit Augenkontrolle konnten jedoch mittlerweile deutlich sicherer ausgeführt werden. Auffällig zeigte sich die Schmerzsymptomatik im HWS Bereich. Während der Therapie wurde ebenfalls an der Tonusregulation sowie der Dehnung der Muskulatur gearbeitet. Es bestehen zum Teil noch Sensibilitätsstörungen der rechten Hand bezüglich des Temperaturempfindens. 

 

Logopädie:

 

Anfangs hatte ich Freude an der Therapie, klar war es immer anstrengend, da gerade dieser Bereich der Sprache bei mir komplett beschädigt war. Die Therapeutin war sehr sehr jung und man merkte schnell, dass sie bezüglich der Arbeit mit älteren Menschen null Erfahrung hatte. Sie behandelte mich wie ein kleines Kind, was bei mir oft für schlechtere Laune sorgte. Ich wollte reden lernen und nicht mit verschiedenfarbigen Buntstiften die Adjektive, Nomen usw in Sätzen anmalen. Für zu Hause bekam ich die Aufgabe das Mone mir Wörter lautiert. Damit hatte ich tierische Schwierigkeiten und niemand verstand, was es bringen sollte. Ich fühlte mich immer mehr unwohl bis ich dann eines Tages mitten aus der Therpiestunde aufstand und abhaute. Ich wollte ihr etwas erzählen und sie hielt eine rote Karte vor mein Gesicht und sagte Stop, jetzt wird nicht mehr geredet. Das war zu viel für mich, ich wurde laut und rannte raus. Mone stand direkt vorne auf dem Parkplatz, so dass ich auf dem direkten Wege zu ihr ins Auto ging. Bevor Mone etwas sagen konnte meinte ich nur "fahr los" und Mone fuhr los. Während der Fahrt erklärte ich Mone was passiert war. Sie sagte, wir müssen aber dort anrufen, wenn wir zu Hause sind, nicht das die dich nun suchen. Dafür war es dann ja schon zu spät, alle Therapeuten suchten mich rund um das Gebäude herum. Noch bevor wir zu Hause waren klingelte Mones Telefon. Alle waren beruhigt, dass mir nichts passiert war. 

Nachdem sich zu Hause alles ein wenig beruhigt hatte beschloss ich, dass ich die letzten 3 Therapiestunden bei der jungen Dame noch mache, aber danach würde ich gerne wechseln. Diese letzten Termine verliefen dann auch ruhig ab.

Neue Termine bei der neuen Logopädin gab es aber erst Juli 2019. So konnte ich gezwungener Maßen eine kleine Pause machen. 

 

 

Hier zwei Arbeitszettel. Der erste zeigt die normalen Übungen, die auch völlig ok waren, auf dem zweiten seht ihr diesen Blödsinn mit den bunten Stiften. Nach einigen Rückgesprächen waren diese Übungen wie auch das Lautieren absolut unsinnig und nicht geeignet für Menschen mit meiner Krankheit und vor allem in meinem Alter. Naja, auch sowas kann mal vorkommen.

 

 Bild 1 

Diese Übungen waren gut !
Diese Übungen waren gut !

 

 

 

Bild 2

So ein Quatschkram !
So ein Quatschkram !

 

So viel zu den Therapien! 

 

Was besonders schlimm für mich war, war dieses plötzlich immer stärkere Auftreten dieser Stimmungsschwankungen, Verzweiflung, Traurigkeit. Woher kam das so plötzlich, gehörte es zu dem Genesungsprozess dazu? Ich merkte selber, dass ich Hilfe benötigte und bat Mone, mir einen Termin bei einer Psychotherapie zu holen. Leichter gesagt als getan, überall waren lange Wartezeiten, manchmal bis zu einem Jahr. Einige wussten mit meiner Krankheit nichts anzufangen und andere rieten zu einem Neuropsychologen, die sind extra für Menschen wie uns ausgebildet. In unserer Gegend gab es davon leider nur einen, wie man uns sagte. Dort angerufen, natürlich mega lange Wartezeit. in einem Zeitraum von 10 Wochen sollte Mone immer wieder dort anrufen. Er würde mich auf eine riesengroße Warteliste setzen. 

Kurz und knapp, diese Situation war zum Kotzen. Menschen die Hilfe benötigen müssen Monatelang oder gar Jahrelang auf einen Therapieplatz warten, es sei denn man sagt, das man Selbstmordgedanken hat, dann bekommt man sofort einen Platz. Ganz großes Kino !

 

So quälte ich mich durch diese schwierigen Momente und war gewiss auch sehr unerträglich für meine Mitmenschen, besonders für Mone.

Aber sie wich mir nicht von der Seite. Egal wie scheiße ich manchmal war. Sie telefonierte viel und grübelte, sie war nach wie vor der Meinung, dass es alles kein normaler Prozess war. Zum Glück hatten wir im Juli wieder einen Termin beim Neurologen, da werden wir es auf jeden Fall ansprechen. Vielleicht können die da helfen.

 

Mal ein anderes Thema, meine Zähne, also ich hatte schon immer nicht die besten Zähne, aber durch diese Intensiv- und Rehazeit haben meine Zähne sehr gelitten und es wurde höchste Zeit, das da mal was gemacht wird. Bereits vor meinem Unfall wollte ich mir schonmal die Zähne machen lassen in Form von Kronen oder Brücken, jedoch war dies finanziell absolut nicht möglich und  so wie ich früher drauf war, wollte ich dieses Geld dann lieber in was anderes investieren als in neue Zähne. Tja, nun MUSSTE was passieren, weil ich mittlerweile beim Kauen Probleme hatte. So folgten unzählige Termine, Zähne ziehen, Abdrücke machen und und und. 

Im Gespräch waren Zähne, die herausnehmbar sind, evtl sogar mit einem Gaumenbogen. Ich bekam ein Provisorium mit nach Hause, um zu schauen, wie es mir gefällt. Das ging überhaupt nicht. Mone musste mir beim Einsetzen helfen, ich konnte schlecht reden damit und fühlte mich sehr sehr unwohl und hatte sogar Angst, wenn ich dieses Teil im Mund klemmen hatte. So wurde ein Gutachter hinzugezogen. Dazu aber mehr in den nächsten Berichten. Denn dieses Zahnarztding streckte sich über viele Monate hinweg.

 

Bei mir war immer irgendwas, so ließ mich auch mein Auge nicht zur Ruhe kommen. Der letzte Stand war ja, das ich nach der O.P. im Dezember wieder zu 60 % sehen konnte auf dem linken Auge. Nach einigen Wochen und Monaten konnte ich jedoch immer schlechter sehen, es wurde so verschwommen, als wäre eine Art Schleier davor. Mone rief in Flensburg bei dem Augenarzt an. Der Augenarzt selber hatte einige Wochen Urlaub, die Sprechstundenhilfe bot jedoch an, dass ich zu einer Gesichtsfelduntersuchung kommen könnte. Einen Termin könnten wir dann erst im Herbst bekommen. Schon wieder eine sehr merkwürdige Situation. 

Um auf der sicheren Seite zu sein besorgte Mone mir hier in Husum einen Augenarzttermin für September, ist natürlich mit Wartezeit, weil ich noch kein Patient dort bin. Aber sicher ist sicher. 

 

Wie alles weitergeht und ob mir geholfen werden kann, erfahrt ihr in den nächsten Berichten !