Fortschritte zu Hause / Verlauf Therapien / Augen O.P.

November / Dezember 2018

 

Ich konnte die Augen O.P. kaum abwarten. Aber es war noch einige Zeit hin. 

 

Währenddessen gab ich zu Hause richtig Gas und hielt Mone voll auf Trab. Was sehr traurig für mich war, mein Auto musste ich leider abgeben. Das hatte Mone mir schon in der Reha gesagt. Mein Wunsch war nur, das ich es selber ausräume, wenn ich zu Hause bin. Und das tat ich jetzt. In einem Moment als Mone nicht guckte, setze ich mich rein und machte das Auto an und parkte es ein bisschen um. Mone kam angerannt und in Ihrem Blick sah ich, dass sie mich am liebsten aufgehalten hätte. Aber sie tat es nicht. Das Auto stand nun richtig und ich machte es wieder aus, ein letztes mal. Ich konnte es alles gar nicht begreifen, auch wenn es nur ein Auto war, dadrin steckte mein halbes Leben, es brach ein Teil meiner Vergangenheit weg. 

 

Auch im Stall half ich schon ordentlich mit, manchmal schickte ich Mone sogar weg, weil ich es alleine versuchen wollte. Auch den Hoflader bin ich gefahren. Ich hätte es nicht dürfen, aber ich wollte es unbedingt, Mone ließ es zu, aber sie schwitzte Blut und Wasser dabei. Schließlich konnte ich Gefahren noch nicht erkennen, aber das kapierte ich zu dem Zeitpunkt ja gar nicht. 

 

Bei uns zu Hause ist immer was zu tun, was für meinen Fall optimal war, neben den hauptsächlichen Therapien wie Ergo, Physio und Logo, war das Mitwirken können und dürfen zu Hause das beste für mich. Kräfte- und Ausdauermäßig war ich vielleich bei 5 Prozent von 100, was mich auch oft sehr traurig machte, aber alle sagten immer, ich brauche ganz viel Geduld und Zeit. 

 

Der Stand nach den ersten Therapiestunden (entnommen aus den Therapieberichten)

 

Ergotherapie

 

Ich kam mit einer rechtsbetonten Hemiparese nach SAB zur Ergotherapie. Ich empfand und beschrieb meinen Körper in der Eigenwahrnehmung als komplett zweigestellt, die rechte Körperhälfte war sowohl proprio - als auch exteroceptiv gedämpft. Die rechte Schulter schmerzte sehr und behinderte in Kombination mit dem erhöhten Muskeltonus die Nutzung des kompletten Bewegungsausmaß. Die Finger waren durchgehend funktionsfähig, aber in der selektiven Nutzung deutlich verlangsamt und kraftlos, koordinierte Greiffunktionen fielen mir ebenfalls schwer.

Mit den Eigenübungen, die ich zu Hause machte, konnte ich hier schon  einige Fortschritte erzielen.

Besonders eingeschränkt war ich jedoch durch die fehlende Sehkraft des linken Auges, die mich in der räumlichen Wahrnehmungsverarbeitung klar limitierte und psychisch sehr belastete. Ebenso die Aphasie, obwohl ich in Abhängigkeit zur Gemütslage doch schon manchmal mehr Zugriff auf meinen Wortschatz hatte. Die Konzentrationsleistung, insbesondere das Kurzzeitgedächtnis sind ebenfalls beeinträchtigt.

Ich war sehr offen und hochmotiviert, was mich ab und an schnell an meine Belastungsgrenzen brachte.

Ich ging aktiv in die Krankheitsbewältigung und sprach immer sehr offen über meine psychische Befindlichkeit. 

 

Physiotherapie (Turnen :-D)

 

Bei Vorstellung hatte ich Parästhesien der rechten Hand, Bewegungseinschränkungen und vermindertes Gleichgewicht rechtsseitig. 

Während der Therapie wurde an der Kräftigung und Koordination der Beine, sowie der Mobilisation, Tonusregulation und Kräftigung der oberen Extremität gearbeitet. Es zeigte sich bereits eine Verbesserung des Gleichgewichts, sowie der muskulären Situation. Ich zeigte mich sehr motiviert der Therapie gegenüber.

 

Logopädie

 

Bei der Logopädie wurde viel an dem Wort und Sprachverständnis geübt. Es gab immer Arbeitszettel, auch für zu Hause.

In diesem Bereich hatte ich wirklich die stärksten Schwierigkeiten. Ich habe immer motiviert mitgearbeitet, war aber oft mit meiner Kraft am Ende und habe auch zu Hause viel geweint.

Hier mal ein Arbeitszettel als Beispiel. Manchmal habe ich über eine Stunde an so einem Zettel gesessen. Ich habe zu Hause viel geübt, Mone hat mich dabei immer unterstützt und auch oft selber Übungszettel erstellt oder aus dem Internet gedruckt. 

 

 

Ebenfalls hatte ich bis zu meiner Augen O.P. noch einige Arzttermine. Ich sollte jetzt einmal alles durchchecken lassen. So war ich zum Beispiel beim Kardiologen, dort wurde ein Ultraschall von meinem Herzen gemacht und alles so wie Blutdruck, Medikamente etc., wurde einmal durchgesprochen. Auch sagte die Ärztin mir, wie lange ich die Blutverdünnenden Medikamente noch einnehmen soll. Alles sah gut aus. 

Das Belastungs-EKG müssten wir in ein paar Monaten nochmal nachholen, länger als 3 Minuten habe ich es nicht geschafft, dann war ich so fertig, als wäre ich eine Etrappe der Tour de France gefahren. 

 

Als nächstes ging es zum Urulogen, wo auch ein Utralschall gemacht wurde, hier von den Nieren und der Blase, Urinprobe etc. Auch hier konnte ein Haken hinter gesetzt werden. 

 

Großes Blutbild beim Hausarzt, alle Werte im grünen Bereich. 

 

Und endlich war der Tag nun da, Mittwoch der 05.12.2018, meine Augen O.P.

 

Es sollte alles unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden und einen Scheißegal-Trunk gab es auch. Ich war sehr sehr aufgeregt. 

Um 09.30 Uhr sollten wir da sein, erst gegen Mittag ging die O.P. los. Alles verlief gut. Das Blut wurde aus dem Glaskörper des linken Auges gesogen und die Hornhaut wurde abgehobelt. Ich hatte einen dicken Augenverband, der bis morgen früh zur Kontrolle draufbleiben sollte.

 

Irgendwann nachmittags waren wir wieder zu Hause. Anfangs war ich noch benebelt von dem Scheißegal-Trunk, ich bin auch sofort eingeschlafen zu Hause. Aber dann, ca eine Stunde später wurde ich wach, ich hatte so mega Schmerzen und Angst. Mone versuchte den Arzt zu erreichen, aber das klappte um die Uhrzeit nicht mehr. Aus lauter Verzweiflung rief sie in irgendeiner Augenklinik an, wo sie auch einen Arzt ans Telefon bekam. Er konnte uns beruhigen, die Schmerzen kommen eindeutig von dem Abhobeln der Hornhaut. Ich sollte gerne Schmerztabletten nehmen, morgen wird es auf jeden Fall besser sein. Was hatten wir natürlich nicht im Haus, Schmerztabletten. Aber auch hier hatten wir Glück und es wurden uns welche gebracht. Da ich mich nicht so wirklich beruhigen wollte, gab Mone mir für die Nacht einen Schlaf-Saft, den ich auch immer in der Reha bekommen habe. Davon hatte sie etwas mitbekommen damals. Was sie mir erst später erzählte, sie hat mir doppelt so viel davon gegeben, wie normal, aber es half, es dauerte nicht lange, da war ich weg und hab durchgeschlafen bis zum nächsten morgen.

 

Um 08.30 Uhr sollten wir zur Nachkontrolle wieder in Flensburg sein. Heute sollte der Augenverband ab. Ob ich wohl schon was sehen kann. Natürlich fragten wir vorher die Arzthelferin und sie sagte, dass alles sehr verschwommen sein wird und dass Woche für Woche mehr an Sehstärke kommen wird/kann. Und dann der Moment, sie machte den Verband ab. Mone saß vor mir. Ich machte das rechte Auge zu und dann fing ich erstmal an zu heulen. Ja, ich fing an zu heulen, vor Freude. Denn ich konnte etwas sehen, mit dem linken Auge, nur verschwommen und in einem gelblichen Ton, aber ich konnte etwas sehen. Bei dem Sehtest hatte ich sogar schon 10 % . Auch der Augenarzt bestätigte nochmal, dass alles gut verlaufen ist, er konnte das Blut vollständig entfernen. Es sollte jetzt nach und nach besser werden. Für mich war dieser Augenarzt ein Held.

Den ganzen restlichen Tag habe ich geweint, weil ich mich so sehr gefreut habe. 

 

Bis Weihnachten sollte ich noch einige Male zur Kontrolle und ich erreichte bis dahin schon eine Sehstärke von 60 % auf dem linken Auge. 

Ich war so froh, das Blut war fast 4 Monate in meinem Auge, ich war quasi blind, und nun konnte ich wieder etwas sehen.

Eigentlich müsste doch alles nur noch bergauf gehen. 

 

Wie es im neuen Jahr weitergeht erfahrt ihr im nächsten Bericht. 

 

Auch in Tipps für Angehörige gibt es etwas neues !