Tag 33 - Sonntag, 23.09.2018

Tag 33 aus dem Tagebuch!

 

Auch heute morgen ist alles unverändert "positiv" bei dir!

 

Bevor ich heute starte Richtung Flensburg, fahre ich noch eben zum Bäcker und besorge etwas Kuchen, wir haben ja heute Hochzeitstag und ich habe das Go, dass du Kuchen essen darfst. Da bin ich ja mal gespannt.

 

Als ich wie jeden Nachmittag an der Intensivstation klingel, sagten sie beim Reinlassen schon "Er wartet schon". 

Und ja, als ich zu dir ins Zimmer komme sitzt du da und freust dich, man erkennt wieder deutlich, dass du gewartet hast, gestern war es ja auch schon so. Irgendwie wusste da fast jeder Bescheid und gratulierte uns zum Hochzeitstag, komisches Gefühl, aber alle sind gut drauf und du vor allem auch.  Wir bekamen Kaffee von der Schwester und dann ging es ans Kuchen essen. Ich hatte eine Zitronenrolle und 2 Puddingbrillen besorgt. Du wolltest eine Puddingbrille. Da es so groß war habe ich es in zwei geteilt. Was soll man dazu sagen, du scheinst hunger gehabt zu haben und hast die ganze Puddingbrille aufgegessen und eine große Tasse Kaffee dazu. Ich bin sprachlos, das mit dem Essen und Trinken funktioniert reibungslos.

Als wir fertig waren haben wir den restlichen Kuchen den Schwestern und Pflegern gegeben, das wolltest du gerne, total toll. 

 

Heute hast du mich irgendwie so komisch angeguckt, das linke Auge wirkte so starr, als würdest du damit gar nicht richtig gucken. Ich verdeckte mit meiner Hand dein rechtes Auge und fragte dich, ob du was sehen kannst. Du verneintest es. Umgekehrt, also mit dem rechten Auge hingegen konntest du etwas sehen. Du liegst jetzt über 4 Wochen dort und bezüglich deiner Augen habe ich nie etwas zu hören bekommen.

Zur Sicherheit fragte ich die Schwester, ob das normal sei. Sie wurde etwas hektisch und suchte einen Arzt auf. Als sie wiederkam sagte sie Entwarnung, das liegt vermutlich am Sehnerv der sich von der starken Blutung noch nicht erholt hat. Das wird wieder besser werden, dauert aber nur sehr sehr lange. ok. dann ist ja gut. 

 

Du selber meintest dann zu mir, dass du Angst hast vor der OP morgen. Voll sünde. Mich beschäftigt es auch sehr, ganz klar, aber das sage ich dir natürlich nicht. Gemeinsam mit der Schwester erklären wir dir den Vorgang nochmal und du wirktest danach etwas beruhigter. 

Das blöde an der ganzen Sache ist, nun bist du seit kurzer Zeit so gut drauf und motiviert und diese OP wird dich wahrscheinlich erstmal wieder bremsen und schmerzen wirst du sicherlich auch haben. Aber es hilft alles nichts, ohne diesen Shunt wirst du nicht leben können.

 

Im allgemeinen war heute ein ruhiger und schöner Tag, satt und müde hast du dich von mir verabschiedet. 

 

Bevor ich die Intensivstation ganz verlasse, rede ich noch kurz mit der Stationsärztin, sie sagt, das die OP für morgen Vormittag angesetzt ist.

Sie meinte, ich könnte ja so um die Mittagszeit mal durchrufen um zu fragen wie es dir geht. Okay, so werde ich es machen.

 

Ich bin unruhig und habe Angst vor morgen. Es wird hoffentlich alles gut gehen.

 

Hier habe ich für dich einen kleinen Ausschnitt aus dem Operationsbogen abfotografiert, wo erklärt wird wie die OP abläuft und auch Bilder, anhand deren man sehen kann, wie es dann nachher aussieht. Vielleicht helfen sie dir, es besser zu verstehen.